
Hugo Hilpmann
9. – 18.1.26
Zwischen 1964 und 1989 ließ der VEB Pentacon Dresden Kameragehäuse von politischen Häftlingen in der Strafvollzugseinrichtung Cottbus fertigen. Von etwa 800 bis 1.200 Inhaftierten arbeiteten rund 250 bis 300 unter Zwang für den Betrieb. Die Hauptaufgabe war das Stanzen und Entgraten von Aluminiumteilen. Die Arbeit führte zu Verletzungen und Ekzemen an den Händen. Das Gefängnis war kalt und stank. Gewalt durch Wärter und andere Häftlinge gehörte zum Haftalltag. 62,8% der gefertigten 8 Millionen Spiegelreflexkameras des VEB Pentacon, davon wiederum 80% in der Strafvollzugseinrichtung, wurden in den Westen exportiert – ein bedeutender Anteil für die Devisenbeschaffung der DDR.
Das neue SED-Unrechtsbereinigungsgesetz erhöht die SED-Opferrente und entkoppelt sie von der Bedürftigkeitsprüfung – doch kommt diese Anerkennung für Betroffene und die Gesellschaft zu spät. Eine gesamtgesellschaftliche Aufarbeitung der Zwangsarbeit politischer Häftlinge in der DDR bleibt bis heute aus.
Die Arbeit „Praktica (1964–1989)“ stellt das Beispiel Pentacon/Cottbus in den Kontext staatlich organisierter Repression und wirtschaftlicher Ausbeutung. Gleichzeitig reflektiert sie die Rolle der Fotografie in der DDR als ideologisch aufgeladenes Medium und Teil eines repressiven Systems.
Eröffnung
9. Januar, 19 Uhr
Vortrag
10. Januar, 12 Uhr
Dr. Peter Keup, ehemaliger politischer Häftling und Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Union Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) e. V.
Thema: Zwangsarbeit politisch inhaftierter Frauen n der Strafvollzugseinrichtung Hoheneck für ALDI
ALDI bezog vor dem Fall der Mauer Produkte aus der DDR, die u.a. von politischen Häftlingen in Zwangsarbeit hergestellt wurden. Millionen Damenstrumpfhosen gingen ihren Weg aus der Fertigungsstelle des VEB Esda Thalheim im DDR-Frauengefängnis Hoheneck in die ALDI Supermarktregale. Dort wurden sie unter dem Namen „Iris“ bei ALDI Nord und „Sayonara“ bei ALDI Süd im Billigsegment verkauft. Die häufig aus politischen Gründen inhaftierten Frauen arbeiteten unter menschenunwürdigen Bedingungen. ALDI bekennt sich in seinem Verhaltenskodex zu fairen Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechten. Von den Schatten der Vergangenheit will das Unternehmen aber nichts wissen. ALDI ist trotz stichhaltiger Beweise nicht bereit, auf die Betroffenen von Haftzwangsarbeit in der DDR zuzugehen. Ein Schlag ins Gesicht derer, die für die Profite des Konzerns schuften mussten.
in: Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft e. V., Haft-Zwangsarbeit im Frauengefängnis Hoheneck für ALDI abrufbar unter:
https://www.uokg.de/projekte/zwangsarbeit-fuer-aldi/
Öffnungszeiten 10.–18.1.
freitags 16 – 19 Uhr
samstags + sonntags 14 – 17 Uhr
Artist Unlimited Galerie
Viktoriastraße 24
33602 Bielefeld
Mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Bielefeld
Gestaltung: Mika Springer
